Bin Ladens Tötung war ein Glücksspiel

Im Zuge der Dreharbeiten eines neuen Dokumentarfilms wurde der US-Amerikanische Präsident Barack Obama im August 2011 zur Ermordung Bin Ladens, des ehemaligen Kopfes des Terror-Netzwerkes Al-Quaida, vom amerikanischen History Channel interviewt. Noch einmal wurde klar, was für eine Zitterpartie die Operation auch für den Präsidenten und seinen Krisenstab im “Situation Room” im Weißen Haus in Washington war.

Bis zuletzt war es ungeklärt, ob sich der Terrorist überhaupt in dem beobachteten Anwesen in der pakistanischen Stadt Abbottabad aufhielt. Mehr als die Hälfte von Obamas Sicherheitsberatern rieten ihn von einem Zugriff ab, viele Experten schätzten die Wahrscheinlichkeit auf nur 30 bis 40 Prozent ein, dass sich Bin Laden in dem Haus befindet. Wenige Tage zuvor hatte Obama eine nervenzerreibende Sitzung mit seinem Sicherheitsteam beendet, um noch eine Nacht über die Entscheidung schlafen zu können.

Trotz aller Unsicherheiten entschied sich der Präsident trotzdem zu dem Einsatz. Ein Scheitern hätte erhebliche Spannungen in den Beziehungen zu anderen Ländern bewirkt und den Präsidenten letztlich seinen Job kosten können. Ohnehin ist Pakistan wütend, dass Amerika ohne ihr Wissen oder eine Ankündigung in ihrem Staat operierte – wäre Bin Laden nicht aufgefunden worden, wäre der pakistanische Aufschrei noch erheblich lauter gewesen.

Die vierzig Minuten im Situation Room im Weißen Haus, wo Obama mit Vizepräsident, Außenministerin und Beratern die Operation auf einem riesigen Bildschirm gebannt verfolgte, waren die wohl schwersten seiner bisherigen Amtszeit. Vor allem als ein Helikopter bei der Ankunft über dem Anwesen wegen technischen Problemen beinahe abstürzte, stockte den Politikern das Herz. Dann gab es Probleme mit der Übertragung, stellenweise gab es kein richtiges Bild. Plötzlich fielen Schüsse, dann herrschte wieder eine kaum ertragbare Stille. Endlich verkündete ein Amerikanischer Soldat aus Pakistan: Der Feind ist im Gefecht gefallen. Ein Aufatmen und Seufzen ging durch die Reihen, endlich war es vorbei.

Osama Bin laden, Foto: martinenzenhoefer_flickr

Einen Kommentar hinterlassen